Blog · 31.08.2026 · Andrea Lakeberg
Beim Ausmisten verlassen zwei Drittel der Kleidung den Schrank — das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Und es liegt fast nie daran, dass jemand zu wenig besitzt. Es liegt daran, dass zu viel vom Falschen da ist und zu wenig von dem, was alles zusammenhält.
Warum schafft man es allein nicht?
Weil bei jedem Teil eine Geschichte mit im Bügel hängt. Der Preis. Der Anlass. Die Person, die es geschenkt hat. Die Größe, in die Sie vielleicht wieder hineinpassen.
Ich komme völlig unbeteiligt dazu. Für mich spielt es keine Rolle, ob eine sehr teure Bluse vorgestern gekauft wurde. Wenn sie es nicht ist, kann sie weg. Und wenn der Trenchcoat — geerbt von der Mutter — jetzt wieder in Mode ist, weil Vintage getragen wird, dann bleibt er.
Genau diese Unbeteiligtheit fehlt Ihnen bei den eigenen Sachen. Das ist kein Charakterfehler, das ist völlig normal. Sie sind damit auch nicht allein: So sieht fast jeder Schrank aus, den ich öffne.
Wie ein Schrank typischerweise aussieht
Zu voll. Ungleiche Bügel. Sachen, die längst hätten gehen können, aber irgendwie nie gehen. Gesammelte Werke aus zwanzig Jahren Leben und Einkaufen, alles wild zusammengewürfelt.
Und dazwischen hängen die drei, vier Teile, die tatsächlich jede Woche getragen werden. Der Rest ist Kulisse.
Die eine Frage, die über jedes Teil entscheidet
Nicht „Ist es schön?", sondern: „Habe ich es im letzten Jahr getragen — und wenn nein, warum nicht?" Die zweite Hälfte der Frage ist die wichtige. Denn das Warum ist fast immer aufschlussreich:
- Es kneift. — Dann weg. Sie werden es auch nächstes Jahr nicht tragen.
- Es passt zu nichts. — Entweder es kommt ein Teil dazu, das die Lücke schließt, oder es geht.
- Ich traue mich nicht. — Das ist das einzige „Warum", bei dem wir gemeinsam noch einmal hinsehen. Manchmal liegt es nur daran, dass es nie richtig kombiniert wurde.
- Es ist zu schade. — Wofür genau? Wenn seit drei Jahren kein Anlass gut genug war, wird auch keiner mehr kommen.
Eine Ausnahme lasse ich gelten: die Größe, die gerade nicht passt, aber realistisch bald wieder. Realistisch heißt: in den nächsten Monaten, nicht irgendwann.
Was passiert, wenn zwei Drittel weg sind?
Dann beginnt der eigentliche Teil: das Auffüllen der Lücken. Ausmisten ist die Hälfte der Arbeit, und die weniger wichtige. Was danach fehlt, ist meistens erstaunlich wenig und erstaunlich unspektakulär:
- die perfekte schwarze Stoffhose
- zwei wirklich gute Jeans
- ein bis zwei Kleider
- ein paar Tops, die unter allem funktionieren
- eine Übergangsjacke oder ein Blouson
Das sind keine auffälligen Teile. Es sind die, die alles andere tragbar machen. Wir schreiben dafür gemeinsam zwei Listen: eine „Must Have"-Liste und eine „Wunsch"-Liste. Mit der ersten gehen wir einkaufen, die zweite darf warten.
Wie verhindere ich, dass der Schrank wieder voll wird?
Indem Sie aufhören, Menge mit Auswahl zu verwechseln. Viel hilft viel — das ist der häufigste Irrtum, mit dem Menschen zu mir kommen. Es geht nicht darum, den Schrank voll zu haben. Es geht darum, die richtigen Sachen zu haben: hochwertige, wandelbare Teile, aus denen sich viele Outfits kombinieren lassen.
Wer das einmal verstanden hat, kauft anders ein. Nicht weniger gern — aber gezielter. Und dann kommt der Schrank auch nicht wieder in den Zustand, in dem er heute ist.
Wie lange dauert das?
Rechnen Sie mit drei bis vier Stunden, mindestens aber zwei. Bei einem begehbaren Kleiderschrank entsprechend länger. Es findet bei Ihnen zu Hause statt, denn dort hängt schließlich Ihre Garderobe — und dort haben wir Tageslicht.
Und bitte räumen Sie vorher nicht auf. Ich möchte sehen, wie es wirklich aussieht. Genau darin liegt die Information.
Was danach oft folgt, ist eine Personal Shopping Tour, dann aber mit einer konkreten Liste statt mit einem vagen Gefühl. Alle Leistungen und Abläufe finden Sie auf der Seite zur Modeberatung Berlin.
Häufige Fragen zum Ausmisten
Muss ich alles anprobieren?
Nicht alles, aber mehr, als Ihnen lieb ist. Bei den Teilen, über die Sie unsicher sind, führt kein Weg daran vorbei — im Spiegel entscheidet es sich in Sekunden.
Was passiert mit den aussortierten Sachen?
Das entscheiden Sie. Gut erhaltene Stücke lassen sich verkaufen oder spenden, der Rest geht in die Altkleidersammlung. Ich sortiere beim Ausmisten gleich in Stapel, damit Sie hinterher nicht noch einmal von vorn anfangen.
Ist das nicht emotional anstrengend?
Manchmal schon. Es kann hart werden, wenn Teile gehen, an denen etwas hängt. Aber am Ende tut es fast allen unfassbar gut — und gelacht wird bei mir sowieso viel.