Blog · 31.08.2026 · Andrea Lakeberg
Die klassische Farbtypenlehre teilt Menschen in vier Gruppen ein: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Entscheidend sind Hautunterton, Haarfarbe und Augenfarbe. Das System ist in wenigen Minuten erklärt — und genau deshalb so beliebt. Nur beantwortet es die wichtigere Frage nicht: ob Ihnen ein Kleidungsstück wirklich steht.
Die vier Farbtypen in Kurzform
Die Einteilung geht auf zwei Achsen zurück: warm oder kühl, und hell oder dunkel. Daraus ergeben sich vier Felder.
- Frühling — warm und hell. Goldblonde bis hellbraune Haare, heller Teint mit gelblichem Unterton. Es passen warme, klare Töne: Korall, Apricot, Warmgrün, Cremeweiß.
- Sommer — kühl und hell. Aschblonde Haare, rosiger Teint. Es passen gedeckte, kühle Töne: Rosé, Taubenblau, Mauve, Grauweiß.
- Herbst — warm und dunkel. Rotbraune bis dunkelblonde Haare, goldiger Teint. Es passen erdige Töne: Rost, Olive, Senf, Terrakotta.
- Winter — kühl und dunkel. Dunkles Haar, klarer Kontrast zwischen Haut und Haaren. Es passen klare, kalte Töne: Schwarz, Reinweiß, Fuchsia, Eisblau.
So weit die Theorie. Es gibt Varianten mit acht oder zwölf Untertypen, aber das Grundprinzip bleibt dasselbe.
Warum ich nicht nach diesem System arbeite
Weil die richtige Farbe allein noch kein gutes Kleidungsstück macht. Es mag Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Wintertypen geben. Aber ein Teil in der theoretisch passenden Farbe kann trotzdem ein absoluter Fehlgriff sein — falscher Schnitt, falsche Länge, falsch für Ihre Figur.
Umgekehrt gilt genauso: Wenn ein Kleid an Ihnen hervorragend sitzt, ist es auch in der nicht ganz optimalen Farbe die bessere Wahl. Ein Kleid, das sitzt, schlägt eine Farbkarte.
Ich mache diese Arbeit seit dem 6. Januar 2013. In dieser Zeit habe ich zu oft erlebt, dass Frauen mit einem Farbpass nach Hause gehen und danach trotzdem danebengreifen — weil ihnen niemand gesagt hat, welche Formen ihnen stehen. Der Pass hängt dann im Schrank und der Fehlkauf auch.
Wie finde ich heraus, welche Farben mir stehen?
Am zuverlässigsten an Ihren eigenen Sachen, bei Tageslicht, vor Ihrem eigenen Kleiderschrank. Sie brauchen dafür keine Tücher aus einem Koffer. Sie brauchen Ihr Gesicht, Ihr Oberteil und ein Fenster.
Halten Sie nacheinander verschiedene Teile an und achten Sie nicht auf das Kleidungsstück, sondern auf Ihr Gesicht. Sie werden drei Dinge bemerken:
1. Bei manchen Farben wirken Schatten unter den Augen tiefer. 2. Bei manchen wirkt der Teint fahl oder gelblich. 3. Und bei manchen sehen Sie einfach wacher aus, ohne dass Sie sagen könnten, warum.
Genau das ist der Punkt. Sie brauchen kein System, um den Unterschied zu sehen — Sie müssen nur einmal darauf achten. Und wichtig: Machen Sie das nicht bei Kunstlicht. Künstliche Beleuchtung verfälscht Farben so stark, dass die ganze Übung sinnlos wird.
Was ist mit den Teilen, die theoretisch falsch sind?
Sie dürfen bleiben, wenn sie funktionieren. In fast jedem Kleiderschrank, den ich öffne, hängt ein Teil, das nach jeder Farbkarte falsch wäre — und trotzdem jedes Mal gut aussieht. Meistens, weil der Schnitt stimmt oder weil es weit genug vom Gesicht entfernt getragen wird.
Deshalb sortiere ich nie nach Regel, sondern nach Wirkung. Eine Hose sitzt an der Hüfte, nicht am Gesicht — dort ist die Farbe deutlich weniger entscheidend als bei einer Bluse oder einem Schal.
Lohnt sich eine professionelle Beratung dann überhaupt?
Ja — aber nicht, um eine Jahreszeit zugewiesen zu bekommen. Sie lohnt sich, weil jemand von außen sieht, was Sie selbst nicht mehr sehen. Nach fünfzehn Jahren mit demselben Schrank ist der Blick betriebsblind, das ist völlig normal.
Bei mir ist die Farbberatung deshalb kein eigener Termin, sondern Teil der Beratung: entweder beim Kleiderschrankcheck bei Ihnen zu Hause oder unterwegs auf der Shopping Tour Berlin. Farbe, Schnitt und Proportion gehören zusammen. Sie einzeln zu betrachten, wäre nur die halbe Antwort.
Was Sie danach mitnehmen, ist keine Mappe, sondern die Fähigkeit, künftig allein einzukaufen, ohne wieder danebenzugreifen. Mehr zum Ablauf finden Sie auf der Seite zur Farbberatung Berlin.
Häufige Fragen zum Farbtyp
Kann sich mein Farbtyp im Laufe des Lebens ändern?
Ja. Wenn Haare ergrauen oder gefärbt werden, verschiebt sich der Kontrast zwischen Haut und Haaren erheblich — und damit auch, was zu Ihnen passt. Viele Kundinnen kommen genau aus diesem Grund: Was zwanzig Jahre funktioniert hat, tut es plötzlich nicht mehr.
Reicht ein Onlinetest?
Für einen ersten Eindruck ja. Aber Onlinetests arbeiten mit Bildschirmfarben, und die stimmen auf keinem Gerät. Was am Monitor warm aussieht, ist es in Wirklichkeit oft nicht.
Muss ich alles aussortieren, was nicht zu meinem Typ passt?
Auf keinen Fall. Behalten Sie, was Ihnen steht und was Sie gern tragen. Aussortiert wird bei mir nach Wirkung und nach Nutzen — nie nach Schema.